Die Sage vom Schönjungferngrund

Die Schutzhütte am Eckbauer

In einem kleinen Tal nahe den Sprungschanzen am Fichtelberg liegt der romantische Schönjungferngrund. In den schneefreien Monaten erlebt der Wanderer, der sich hierher verirrt, wie sich ein Kranz der mystischen Gilde aus grauer Vorzeit um sein Haupt und seine Füße schlingt. Das quirlige Plätschern des Hüttenbachs, hölzerne Brücken und mächtige Bäume treiben den Mutigen vorwärts, bevor er ganz außer Atem die Schutzhütte am Ausgang der Schlucht erreicht.

Die folgenden Worte sind uns überliefert:

Hier im Grunde stand ein schönes Schloß und darin wohnten noch schönere Burgfräulein. Eines Tages kamen böse Räuber, zerstörten den Bau und ermordeten die Jungfrauen. Ihr Geist lebte jedoch weiter und sie wohnten von nun an tief im Berge. Im Frühling erscheinen sie, um ihr Leinen aufzuhängen und ihre Wäsche auf der grünen Wiese zu bleichen.

Aber auch anders wird diese Sage noch erzählt:

Du kommst von Wiesenthal herauf - zur rechten Stunde. Was ist's, das da drüben im Grunde rechts sich regt, wo die tiefe, bei Winter zuweilen mit haushohen Schneemengen ausgefüllte Schlucht zwischen Fremdensteig und rotem Vorwerk sich herabzieht? Lockt dich nicht süßer Ton, nicht Blumenduft?
Denn dort ist der Ort, wo zwei Schwestern sich oftmals bei Neumond sehen und hören lassen, die eine die Laute spielend, die andere den Kranz windend.
(nach Köhler, Sagenbuch des Erzgebirges Nr. 51)

Ob nicht jene drei Wanderer, die am 03. März des Jahres 1889 hier in den tiefen Schnee des Jungferngrundes gerieten, nur dem Flüstern gefolgt sind, daß ihnen der Wind aus den Mündern der Schwestern in heimlicher Weise zugetragen hat?

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