Ist es nicht die alte,
weitverbreitete Sage vom entschwundenen und nicht ergriffenen Glück, die uns doch so
häufig in der Überlieferung in vielen deutschen Landstrichen begegnet oder ist es die
uralte Sehnsucht der Menschen nach unermeßlichem Reichtum, die solche Geschichten
überliefert? |
Die folgenden Worte sind uns überliefert:
Abraham Munsch, ein
alter, frommer Hutmann aus der hiesigen Neustadt, hat einstmals oben auf dem Fichtelberg
einen überaus schönen Brunnen angetroffen, dessen Grund und Boden von lauter Goldflammen
erleuchtet wurde. Und da er sich niedergesetzt hatte, um diese schöne Quelle zu
betrachten, hat er gesehen, daß sich zur Seite ein Mönch, mit einem Buch in der Hand und
zur anderen Seite aber, gleich gegenüber, ein buntes Vögelein niedergelassen hatte,
worüber er dann erschrocken und davon gelaufen war. Als er aber nach einiger Zeit den
Brunnen abermals suchte, hat er ihn nicht wieder finden können.
(nach Pfarrer Flader,
Ehrengedächtnis Seite 74 ff.)
Eine andere Überlieferung dieser Sage besagt:
Hier ist ein goldener
Brunnen gewesen, an dem eine wundersame Jungfrau gesessen und leise singend Blumen
gewunden hat. Aber nur ein einziges Mal ist der Brunnen von Menschen gesehen worden.
(nach Nestler)
Ähnliche Gedanken sind in folgendem Gedicht von Eduard Dietrich über den Goldbrunnen niedergeschrieben:
Zur
Sommernacht, bei Mondschein
hoch auf dem Fichtelberge,
da schwingen sich in bunten Reih'n
die Elfen und die Zwerge.
Da steigt
das Gold so klar und fein
empor zur selbgen Stunde,
es glitzert hell im Mondenschein
im Brünnlein auf dem Grunde.
Und bist
du, Wandersmann, zur Stell,
dann greife zu, dich spute,
das Gold versinkt sofort im Quell,
verpaßt du die Minute.